Autor: Sarah A. Young (12 Articles)
Sarah A. Young (27) ist Werkstudentin der FriendScout24-Redaktion. Sie schreibt regelmäßig für unser Magazin und ist auch in unserem Blog aktiv. In ihrer Freizeit geht sie gerne auf Konzerte und trifft sich mit Freunden.
Wenn überzogene Pressemitteilungen auf die Realität treffen
Es sollte die “größte redaktionelle Revolution” in der Geschichte der Brigitte sein: Seit 02. Januar 2010 ersetzt die Frauenzeitschrift bei ihren selbstproduzierten Fotostrecken Models durch “echte” Frauen. Angeblich ein Beitrag gegen den Magerwahn der Modebranche, “weil wir Mode und Beauty in Zukunft an Frauen zeigen wollen, die nicht den oft perversen Gesetzen des Modelgeschäfts unterworfen sind, sondern mitten im Leben stehen.” Was Models demzufolge wohl nicht tun, die 08/15-Brigitte-Leserinnen aber schon.
Diese sparten nach der Veröffentlichung der ersten Ausgabe – die immerhin “den Beginn einer neuen Zeitrechnung einläutete”, wie die Brigitte-Macher in einer Pressemitteilung vollmundig verkündeten – weder an Beifall noch Spott. So ist unter den Leserkommentaren auf brigitte.de neben wahren Lobeshymnen auch immer wieder die Forderung nach mehr Authentizität und Wahrhaftigkeit der Nicht-Models von der Straße zu finden. Längst nicht dick, äh, pardon “natürlich” genug seien diese und die Fotos wären sowieso viel zu professionell.
Selbstverständlich ist es wahr, dass in manchen Modegeschäften schon Frauen mit Konfektionsgröße 38 Probleme haben, etwas Passendes zu finden und zweifelsohne wird es Zeit, dass frau ihre Marktmacht gegen diesen Missstand nutzt. Aber zu erwarten, dass Brigitte von nun an nur noch Amateur-Fotos von übergewichtigen Hausfrauen um die 40 abbildet, damit sich das Leserklientel leichter wiederfinden oder distanzierenden kann, ist vielleicht ein wenig naiv.
Gleiches gilt aber auch für die Glorifizierung des neuen Brigitte-Konzepts, dem augenscheinlich auch Gründe wie beständig sinkende Auflagen zugrunde liegen. Dass längst nicht alle alten Prinzipien über Bord geworfen wurden, zeigt sich spätestens nach einem Blick auf das Titelblatt der ersten, ach so revolutionären Ausgabe. Dort preist nämlich ein hübsches, junges Mädchen die obligatorische Brigitte-Diät an, Kalorien- und Fetttabelle im Handtaschenformat inklusive. Alles beim Alten also. Na dann kann das neue Zeitalter ja kommen.









